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Kochen und Essen, das ist auch Yoga!

Yoga ist nicht nur Üben von Asanas, es ist auch ein Zustand der Einheit und Verbundenheit mit Allem was uns umgibt. Daher ist es auch sehr wichtig was und wie wir essen. Ayurveda (oder „das Wissen vom Leben“) ist eng mit Yoga verbunden und besagt dass alles was wir einnehmen, einen Einfluss auf den Geist hat (oder haben kann). So können sich z.B. Fleisch, Dosenprodukte, Konservierungsstoffe, billige Öle oder sogar Sorgen des Kochs tamasisch auswirken, das heisst, die Person die diese Nahrung zu sich nimmt, kann träge, krank und schlecht gelaunt werden. Aber nicht nur Ayurveda, auch andere alten und neuen Ernährungswissenschaften besagen dass es am besten ist, auf den eigenen Körper zu „hören“ um die optimale Wirkung der Nahrung auf den Körper und Seele zu erzeugen. Und was unser Körper und Seele wirklich brauchen, entsteht oft nur dann wenn wir im Einklang mit der Natur leben.
Andrea Grabner, die Gründerin von Yoga Cuisine aus Linz, erzählt über ihre Liebe für Yoga, Natur und achtsames Kochen und Essen.

Als ich Dein Angebot sah, war ich so begeistert da ich selbst viel Wert auf bewusstes Kochen, besonders während Retreats lege. Im Urlaub gelingt mir Kochen oft besser als „zu Hause“. Vielleicht liegt es daran dass ich dann entspannter bin? Stimmt es dass man besser kocht wenn man entspannt ist?
– Ich liebe es auf Retreats zu kochen. Zuhause wird man oft vom Alltag abgelenkt, aber auf Reisen bin ich genau deswegen dort… nämlich meiner Leidenschaft, dem Kochen nachzugehen. Und ja, ohne Ablenkung kann man definitiv entspannter Gerichte zubereiten.

Was ist achtsames Kochen?
– Achtsam Kochen bedeutet für mich, bewusst wahrzunehmen welchen Arbeitsschritt ich gerade mache. Das beginnt beim Schälen von Gemüse und endet beim Anrichten auf dem Teller. Dazwischen liegt bewusstes Zubereiten ohne Hektik und Stress. Ich sage immer, ich würde in jeder Profi-Gastronomie scheitern, weil ich dafür zu langsam wäre. Es ist eine ganz andere Art zu Kochen … auf jedenfall mit einer gehörigen Portion Liebe und Geduld!

Yoga Cuisine hat sich in einem Studio als Idee: „Yoga und Frühstück“ entwickelt. Das war sehr gut angenommen. Gibt es noch immer Yoga und Frühstück in diesem Yogastudio?
– Genau! Alles hat in einem hübschen Studio in Linz begonnen. Mittlerweile koche ich aber nicht mehr dort. Ich habe mich leiten lassen und mein Weg hat eine etwas andere Richtung genommen. Mit meinen zwei Ernährungskolleginnen veranstalten wir selbst viele Yoga-Events mit nährendem Yogabrunch danach. Im Sommer gab es sogar ein exklusives Yoga Gourmet Dinner, wo wir die Teilnehmer mit einem 4-Gänge-Menü in einem wunderschönen Ambiente bekocht haben.

Praktizierst Du selbst Yoga?
– Ja klar! Meine Ernährung hat sich durch die zunehmende Yogapraxis stark verändert. Dadurch wurde ich auch zum Veggie und habe viele neue Gerichte und Lebensmittel kennengelernt.

Du bist dipl. Ernährungstrainerin, arbeitest in einer Werbeagentur und machst noch eine Weiterbildung zur Mentaltrainerin. Wie bist du zum Kochen gekommen?
– Gekocht habe ich schon als Kind gerne. Meine Mutter ließ meine Schwester und mich schon in jungen Jahren beim Zubereiten ihrer böhmischen Küche helfen. Für eine Ernährungstrainerin ist es meiner Meinung sehr wichtig, nicht nur zu wissen was gesund ist, sondern auch mit nahrhaften Zutaten ein leckeres Essen zubereiten zu können. Dies geben wir auch in unseren Kochworkshops weiter. Zum Beispiel zeigen wir den Teilnehmern beim Hülsenfrüchte-Workshop, dass man sogar eine Torte aus Kichererbsen machen kann. 🙂

Mit zwei anderen Ernährungstrainer-Kolleginnen habt ihr den Namen „…mehr als nur Essen „entwickelt – das ist auch das Motto des Retreats was im Juni in Istrien stattfindet. Kannst Du uns etwas über „mehr als nur Essen“ erzählen?
– Sehr gerne! Das „MEHR“ steht für den MEHRwert im gesunden Essen! Für uns ist Essen nicht nur einfach eine Nahrungszufuhr. Neben biologischen Zutaten, köstlichen Rezepten spielt auch der Genuss eine große Rolle. Hierbei kommt wieder die Achtsamkeit ins Spiel. Durch achtsames Essen, also einem ruhigen Geist (ohne Ablenkung durch Handy & Co) kann man das Fest im Munde viel länger feiern. Durch eine bewusste Nahrungsaufnahme wird es wieder möglich unseren Körper und somit auch die Sättigung besser zu spüren.

Warum habt ihr euch für Istrien entschieden?
– Da wir aus Österreich sind, können wir Istrien gut mit dem Auto erreichen. Viele Teilnehmer haben Fahrgemeinschaften gebildet und somit die Umwelt geschont. Ich persönlich, bin schon seit Jahren kein Fan vom Fliegen mehr. Ich liebe es Urlaube in der Natur mit meinem Dachzelt zu machen. An den Orten stehen zu bleiben, wo es mir gefällt und dazu zählt auch Istrien.

Was magst du an Kroatien?
– Wir haben in Kroatien ein Retreathaus gefunden, dass abseits vom Mainstream ist. Ein richtiger Rückzugsort in einem kleinen Örtchen, nur 3 km vom Meer entfernt. Wir können dort am Meer meditieren und die Natur genießen. Durch meine Eltern war ich jahrelanger Italien-Fan, bis ich erstmals die Schönheit von Kroatien entdeckt habe. Am liebsten erkunde ich beide Länder mittels Roadtrip und Dachzelt.

Gibt es etwas was Du an Kroatien nicht magst?
– Ich weiß dass es in Kroatien viele großartige Restaurants gibt, aber aus einem, für mich noch unerklärlichen Grunde, haben mich diese Lokale noch nicht gefunden *g* Somit bin ich – bis jetzt – noch kein Fan der kroatischen Küche.

Ich vermute das liegt daran dass eher Fleisch- und Fischgerichte in Restaurants als „typisch Kroatisch“ gelten, aber wie Du sagst: „Ernährung ist ein stetiger Entwicklungsprozess“. Kannst Du uns etwas mehr darüber sagen?
– Wie schon erwähnt, hat sich meine Ernährung stark durch die Yogapraxis verändert und sie verändert sich noch immer weiter. Durch unzählige Kochmagazine und viele Foodblogs lasse ich mich inspirieren und probiere fast jeden Tag ein neues Gericht aus. Mittlerweile meistens freestyle, also ohne Rezept.

Gibt es ein „Rezept für Rezepte“ bzw. wie man Rezepte einsetzen soll, genau so wie es im Rezept steht oder….wie machst du das?
– Damit hab ich wirklich ein Problem! *g* Ich schaffe es nicht, ein Rezept so zu kochen, wie es beschrieben ist. Entweder mir fehlen Zutaten, die ich versuche durch andere zu ersetzen oder es schmeckt nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Dann kommt auch immer ein „Prise Yoga Cuisine“ mit rein. Meine Devise ist: Hab Spaß an deiner Küche, lass dich inspirieren und trau dich vom Rezept abzusehen!

Glaubst Du dass Rezepte wirklich 100% wahrhaft sind oder tragen die Meisterwerke doch immer ein Geheimnis was im Rezept gar nicht steht? 🙂
– Das ist eine wirklich gute Frage, die ich mir selbst auch schonmal gestellt habe. Ich persönlich verrate alles, meine Rezepte sind aber auch oft wirklich leicht, da könnte man sowieso nicht viel tricksen. Bei den Profiköchen steckt bestimmt auch viel Können dahinter, welches man als Laie schwierig nachmachen kann. Deshalb würde ich die Frage mit einem JEIN beantworten.

Was für ein Gefühl hast Du beim Kochen? Was bedeutet Kochen für Dich?
– Kochen bedeutet für mich Kreativität. Besonders liebe ich „verwerten“. Ich mag es überhaupt nicht wenn Essen im Müll landet. So entstehen viele neue Freestyle-Gerichte. Gerade bei den Camping Reisen hat man wenige Zutaten mit dabei und ich bin oft selbst überrascht, was man damit noch leckeres zaubern kann.

Beginnt das Kochen eines Gerichts genau dann wenn Du den Herd anmachst oder fängt es schon viel vorher im Kopf / Herz? Vielleicht schon beim Einkaufen der Lebensmittel?
– Definitiv schon etwas früher. Zum Beispiel beim Heimfahren von der Arbeit. Da bereite ich mein Gericht schon im Geiste zu!

Wie weisst Du an bestimmten Tagen, was du kochen wirst – ist es ein kreativer Prozess oder geplant?
– Ich weiß so gut wie nie, was ich heute essen werde. Das Gericht entsteht erst beim Blick auf die vorhandenen Zutaten. Gerade heute haben meine Kollegin und ich einen afrikanischen Linseneintopf in 15 Minuten gekocht. Davon wusste ich beim Aufstehen noch nichts. 🙂

Heisst achtsames Kochen dass man dabei nicht redet, keine Musik hört, bzw. sich vollständig auf das Kochen konzentriert oder wie kann man sich das vorstellen? Was für eine Energie entsteht dabei? Wie weißt man dass man dabei achtsam ist; ist es überhaupt möglich, es in Worte zu fassen?
– Man triftet gedanklich oft ab. Wenn einem jedoch wieder bewusst wird, dass man gerade hier steht und ein Porridge rührt, dann ist das gedankliche Zurückkommen bereits eine achtsame Handlung. Hier sollte man nicht zu streng mit sich sein. Es gibt hier kein bewerten, ob das gut oder nicht so gut war. Es ist so wie es ist und mit viel Übung kann man auch immer besser bei der Sache bleiben.

Seit wann bist Du Vegetarierin (oder Veganerin) und wie ist es dazu gekommen?
– Seit ca. fünf Jahren verzichte ich zu 99 % auf Fleisch und Fisch. Ich kaufe/bestelle mir keines und ich koche mir selbst keines. Wenn ich wo eingeladen bin, würdige ich das Essen und genieße es.
Ich war auf einem Yoga-Retreat in Portugal, wo ein junges Pärchen sensationell für die Gruppe vegetarisch gekocht hatte. Ich bin anfangs eher aus Spaß dabeigeblieben. Jetzt verzichte ich aber auch aus ethischen Gründen auf Fleisch.

In eueren Retreats beschäftigt ihr euch auch mit Fermentieren. Darunter verstehe ich eher einen Gärungsprozess (und viele kleine Fliegen) :), aber das hat mit Kochen wahrscheinlich nichts zu tun. Wofür ist es gut bei der Zubereitung vom Essen und warum?
– Haha, ja die Fliegen wissen halt was gut ist! Fermentieren hat definitiv nichts mit Kochen zu tun. Mit fermentierten Lebensmitteln peppen wir unser Essen auf, als Beilage oder auch als Topping für Chilis etc. oder als Getränk, z. B. Kefir + Kombucha. Durchs Fermentieren schafft man die richtigen Bedingungen für die guten Bakterien, die für unseren Darm unendlich wichtig sind. Hier ist aber meine Kollegin Fermentista Andrea die Expertin.

Im Juni Retreat ist auch ein Fermentieren Workshop dabei.
– Ja genau! Workshops sind ein großer Teil unserer Reise. Wir gehen auf Zucker, Eiweiß und vieles mehr im Detail ein. Auch kochen wir gemeinsam mit unseren Teilnehmern mit allen möglichen Hülsenfrüchten.

Du hast auch eine Dattel-Liebesgeschichte – erstmal mochtest du sie nicht und jetzt kann man sie bei dir sogar bestellen. Wie ist es dazu gekommen?
– Man sagt ja es gibt keine Zufälle. Ich würde es mal so beschreiben, die Dattel wollte mich finden. Ich bin mit dieser zartschmelzenden, weichen Frucht in Berührung gekommen und bin sehr dankbar darüber. Denn die Dattel ist vollgepackt mit Vitaminen und Mineralstoffen. Man kann hier wirklich vom „Gesunden Naschen“ sprechen. Mittlerweile süße ich fast ausschließlich mit Datteln, Dattelsirup oder Dattelpaste. Natürlich auch auf den Retreats. Und wer Sukkari-Dattel noch nicht kennt, kann das hier rasch nachholen.

Möchtest Du ein Dattel Rezept mit unseren Leserlnnen teilen?
– Natürlich! Ich schlage mein Rezept für Dattella vor:
200 g weiche Datteln (oder noch besser Dattelpaste)
3 EL Mandelmus oder 3 EL Haselnussmus
2 EL Rohkakao
etwas Wasser
Datteln oder Dattelpaste mit etwas Wasser (ca. soviel, dass die Datteln leicht bedeckt sind) erwärmen. Mandelmus und Rohkakao dazugeben. Mit dem Stabmixer zu einer feinen Creme pürieren und schon hat man einen süßen, aber gesunden Aufstrich.

Danke, Andrea, für dieses äußerst interessante Interview. Ich bin mir sicher, ausser Achtsamkeit, hat man bei eueren Retreats in Kroatien eine große Portion Spaß!
– Danke Dir für die grandiosen Fragen und die intensive Vorbereitung!

Weitere tolle Rezepte von Yoga Cuisine

Hier geht es zur Anmeldung fürs Retreat 6.-13. Juni 2020

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