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Karmen Jurela: „Rauschliebe“

Mit dem Buch in den (Yoga)Urlaub

In dieser Artikelreihe stellen wir Autoren und Autorinnen die etwas mit Kroatien zu tun haben, ob sie dort geboren sind und jetzt woanders leben oder auch umgekehrt, von Menschen die nach Kroatien ausgewandert sind oder in Kroatien tolle Projekte veranstalten.
Karmen Jurela ist in Kroatien geboren wo sie die ersten Jahre gelebt hat und dann nach Deutschland kam. Heute Zahnärztin, Schriftstellerin und Coach, führt sie eine zahnärztliche Gemeinschaftspraxis, gibt Workshops und leb in Berlin. Basierend auf ihren langjährigen Erfahrungen mit medizinischer Hypnose und inspiriert durch die bahnbrechenden Erkenntnisse der positiven Psychologie, moderner Gehirnforschung sowie spiritueller Lehren schöpft sie ihre größte Freude daraus, als Coach Menschen auf Ihrem Weg in ein selbstverantwortetes, gesundes, kreatives, freudevolles Leben zu begleiten.
Aus dem Versuch, die Co-Abhängigkeit durchs Schreiben zu verarbeiten, entstand ihr Debütroman „Rauschliebe“.

Dieses Buch ist keine typische Urlaubsliteratur, jedoch ein Buch was unbedingt jeder lesen sollte dessen Selbstwert und Selbstbewusstsein durch toxisches oder Suchtverhalten des Partners oder Partnerin erschüttert wurde und man bereit ist, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Manchmal bedarf es viel Zeit um manche Lebenserfahrungen zu verarbeiten, anzunehmen und loszulassen. Und bei Themen wie Alkoholkrankheit oder Co-Abhängigkeit geht das nicht ohne professionelle Hilfe, aber dieses Buch kann der erste Schritt in dieser Richtung sein.

Vor einigem ist dieses Buch ein Mutmacher und Handbuch in literarischer Form, ein Wegweiser, den für jede Frau oder Mann empfehlenswert ist, die sich in einer co-abhängigen Beziehung befanden oder befinden.
Auch viele Therapeuten könnten vom Buch profitieren.

Das zentrale Thema des Buches ist eine wunderschöne, traurige, in manchen Momenten tragikomische Liebesgeschichte in Verbindung mit Alkoholkrankheit und Co-Abhängigkeit. Der romantische Anfang verandelt sich stetig in noch ein schlimmeres Horror Szenario mit immer schlimmeren Folgen. Obwhol schon einige Filme mit dem Sucht-Thema gemacht wurden, aus diesem Buch würde eine hervorragende Serie oder ein gut besuchter Film werden. Die Co-Abhängigkeit wird in literarischer Form dargestellt, ihre Entstehung, Kulmination und der Weg daraus.

„Ich spürte dennoch, dass irgendeine diffuse, schwer zu fassende Gefahr sich zusammenbraute, was ich weder intellektuell begründen, noch ver-
bal ausdrücken konnte. Dass es für das ganze Übel eine einzige Ursache gab, nämlich Alkoholismus, erkannte ich erst recht nicht. Die Sucht be-
wirkte, dass Pavlos sein Trinken zum Normalzustand erklärte und damit bagatellisierte und verleugnete, und dass ich seine Sucht nicht als sein
grundlegendes Problem erkannte, förderte diese noch. In meinen Augen
war sein Trinken Zeichen eines sinnesfreudigen Mannes, der gerne guten Wein genießt und feiern kann.“

Der Stil ist wie roh und unverarbeitet, manche Stellen sind nicht für schwache Nerven geeignet. Die Handlung steigert sich und wendet sich ab wie eine Spirale. Es passiert das Unglaubliche, Unerwartete, nicht mit relativ normalen Erwartungen im Leben vereinbar, es schockiert.
Ich glaube die Absicht der Autorin war: Was hätte man nun von diesem Buch, wenn man daraus nicht dazu gebracht wäre, etwas zu tun? Was hätte man von diesem Buch wenn man andere Menschen und hier vor einigem Frauen ((was auch statistisch häufiger vorkommt) zu motivieren, sich für ihr Leben einzusetzen und aus dem Kreis des Helfersyndroms, elterlichen und gesellschaftlichen Erwartungen, Wünschen und Normen, sich zu befreien.

Ein anderes interessantes Thema im Buch ist: Ausländerkinder in Deutschland.

„Zu diesem Zeitpunkt lebte ich noch in einem extrem rigiden Umfeld. Mit Umfeld meine ich mein kroatisches Elternhaus, das von den konservativen und heuchlerischen Moralvorstellungen der kroatischen Gemeinschaft und einem ganz speziellen Lokalkolorit mitgeprägt wurde. Als junger Mensch stand man quasi unbestellt auf dem Laufband des Lebens, wurde von einem althergebrachten System irgendwie abgeholt und mitgezerrt und in die herkömmlichen Schablonen der Existenz gepresst: Schule, Ausbildung, Schaffeschaffehäuslebaue, heiraten und dann zwei weitere Lohnsklavenbälger produzieren, die jenes Muster erneut, bis in alle Ewigkeiten wiederholen sollten – eine alptraumhafte Dauerschleife.“

Im Buch sind viele wichtige Themen berührt worden, von denen man in der Literatur bis jetzt noch nicht so viel geschrieben hat. Die Co-Abhängigkeit, eine allgemeine Unwissenheit über die Alkoholkrankheit, sowie über die breite Akzeptanz des Alkoholkonsums in allen gesellschaftlichen Schichten bis zur Entfaltung deren zerstörerischen Kraft in einer Beziehung, Familie oder in der Arbeitswelt.

„Als wir gegen ein Uhr nachts nach Hause wollten, ließ ich das Auto stehen, und wir nahmen uns ein Taxi. Schon auf der Fahrt brach aus Pavlos eine unerwartete Gereiztheit. Ich glaubte immer noch, dass jeder Augenblick, der mal normal oder gut war, für immer andauern würde, und dass die wahnsinnigen und brutalen Momente absolute Ausnahmeerscheinungen und überwindbar seien.“

Dieses Buch ist ein Roman, aber auch eine Art literarisches Handbuch – welches wortwörtlich, das Leben retten kann!

2 Antworten auf „Karmen Jurela: „Rauschliebe“ Hinterlasse einen Kommentar

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